Kinder und Jugendliche
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Bei Sprachentwicklungsverzögerungen und -störungen bei Kindern handelt es sich um Abweichungen vom altersgerechten Sprachentwicklungsmuster, die sowohl den Wortschatz als auch die Grammatik, Syntax oder Aussprache betreffen können. Eine Sprachentwicklungsverzögerung zeigt sich durch eine zeitlich verzögerte Sprachentwicklung, während eine Sprachentwicklungsstörung tiefere und oft langanhaltende Beeinträchtigungen in der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und im Sprachverständnis umfasst. Logopädische Interventionen zielen darauf ab, diese Defizite zu diagnostizieren und gezielt durch spezifische Fördermaßnahmen zu behandeln.
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Die Dyslalie bezeichnet eine Störung der Artikulation oder Aussprache von Lauten, die sich in der falschen oder fehlerhaften Aussprache von Wörtern äußert. Betroffene Kinder oder Erwachsene haben Schwierigkeiten, bestimmte Laute korrekt zu bilden, was zu einer fehlerhaften Lautbildung führt. Diese Störung kann verschiedene Ursachen haben, wie z.B. anatomische oder funktionelle Einschränkungen, Hörprobleme oder auch eine unzureichende Sprachwahrnehmung. Die logopädische Therapie zielt darauf ab, die korrekte Artikulation durch gezielte Übungen und Trainingsmaßnahmen zu fördern.
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Myofunktionelle Störungen umfassen funktionelle Fehlfunktionen der orofazialen Muskulatur, die insbesondere die Zunge, Lippen, Wangen und Kiefer betreffen. Diese Störungen können zu einer fehlerhaften Koordination und Positionierung der Mund- und Zungenmuskulatur führen, was sich negativ auf die oralen Funktionen wie Sprechen, Schlucken, Kauen und Atmen auswirken kann. Häufige Symptome sind eine fehlerhafte Zungenruhelage, eine unphysiologische Zungenbewegung beim Schlucken und eine inadäquate Lippen- oder Kieferstellung.
Die Ursachen für myofunktionelle Störungen können in strukturellen Abweichungen, wie z.B. einer offenen Bissstellung oder einer Fehlbildung des Kiefers, oder in funktionellen Faktoren wie einer unzureichenden Muskelkoordination oder ungünstigen Gewohnheiten wie dem Daumenlutschen liegen. Die logopädische Behandlung zielt darauf ab, die oralen Funktionen durch gezielte Übungen zur Kräftigung und Koordination der Muskulatur zu normalisieren und eine physiologische Funktionsweise der orofazialen Strukturen zu etablieren.
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Dysgrammatismus ist eine Störung der grammatischen Sprachentwicklung, bei der Kinder Schwierigkeiten haben, korrekte Satzstrukturen zu bilden. Sie verwenden häufig unvollständige Sätze, fehlerhafte Wortstellungen oder falsche Flexion von Nomen und Verben. Auch die richtige Verwendung von Genus (z.B. der, die, das), Kasus (z.B. der Hund – den Hund) und Numerus (z.B. Pluralbildung) kann beeinträchtigt sein, was zu Fehlern in der Grammatik führt. Zudem können die Wortwahl (Lexikon) und die Bedeutung von Wörtern (Semantik) betroffen sein, was zu ungenauen oder missverständlichen Aussagen führt.
In der logopädischen Therapie liegt der Fokus auf der Förderung grammatikalischer Strukturen, der Erweiterung des Wortschatzes und der Verbesserung der sprachlichen Präzision durch gezielte Übungen.
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Bei Hörstörungen können Kinder Schwierigkeiten haben, Sprache richtig wahrzunehmen und zu erlernen. Dies kann sich negativ auf die Sprachentwicklung auswirken, da Kinder die Laute, Wörter und Sätze nicht vollständig hören und nachahmen können. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtig, um Verzögerungen in der Sprachentwicklung zu vermeiden.
In der logopädischen Therapie konzentrieren wir uns darauf, die Hörwahrnehmung und die sprachlichen Fähigkeiten zu fördern. Wir unterstützen Ihr Kind dabei, Laute und Wörter richtig zu hören und zu sprechen. Dabei arbeiten wir an der Artikulation, dem Wortschatz, der Grammatik und dem Sprachverständnis.
Das Ziel der Therapie ist es, die kommunikativen Fähigkeiten Ihres Kindes zu fördern, damit es sich sicher und altersgemäß ausdrücken kann.
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Lese-Rechtschreib-Schwäche ist eine häufige Lernstörung, bei der Kinder Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens haben. Diese Schwierigkeiten betreffen vor allem die Lesegenauigkeit, die Rechtschreibung und das Leseverständnis. Kinder mit LRS haben oft Probleme, Buchstaben richtig zuzuordnen, Wörter korrekt zu schreiben oder Textpassagen flüssig zu lesen. Die Störung betrifft vor allem die kognitiven Prozesse beim Verarbeiten von Sprache und Schrift.
In der logopädischen Therapie werden gezielte Übungen zur Förderung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten durchgeführt. Dazu gehören das Üben von Laut-Buchstaben-Zuordnungen, das Leseverständnis und Strategien zur Rechtschreibung. Auch die phonologische Bewusstheit, also das Erkennen von Lautstrukturen in Wörtern, wird gefördert, da sie eine wichtige Grundlage für das Lesen und Schreiben darstellt.
Ziel der Therapie ist es, die Lese- und Schreibkompetenz zu verbessern und so das Selbstbewusstsein und die Freude am Lesen und Schreiben zu stärken.
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Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) ist eine Störung, bei der das Gehirn Schwierigkeiten hat, akustische Reize korrekt zu verarbeiten und zu interpretieren, obwohl das Hörvermögen selbst normal ist. Kinder mit AVWS haben Probleme, Geräusche und Sprache richtig zu hören, zu unterscheiden und zuzuordnen. Sie können zwar Töne hören, aber haben Schwierigkeiten, diese in bedeutungsvolle Informationen umzuwandeln, was das Verstehen und Reagieren auf gesprochene Sprache erschwert.
Die Symptome einer AVWS können unter anderem sein:
Schwierigkeiten, gesprochene Anweisungen zu verstehen.
Probleme beim Hören in geräuschvollen Umgebungen.
Häufiges Nachfragen oder Missverständnisse bei Gesprächen.
Verzögerungen in der Sprachentwicklung oder im Wortschatz.
In der logopädischen Therapie liegt der Fokus auf der Förderung der auditiven Wahrnehmung und der Verarbeitung von Klangreizen. Dies umfasst Übungen, die helfen, Lautunterscheidungen, Wortverständnis und die Fokussierung auf bestimmte Geräusche zu verbessern. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit und die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns zu stärken, um die sprachliche Kommunikation und das Verstehen von gesprochenem Wort zu erleichtern.
Die Therapie unterstützt Kinder dabei, besser mit akustischen Informationen umzugehen, was zu einer Verbesserung ihrer sprachlichen und sozialen Fähigkeiten führt.
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Verbale Entwicklungsdyspraxie (VED), auch als sprechapraktische Störung bezeichnet, ist eine motorische Sprachstörung, bei der die betroffenen Kinder Schwierigkeiten haben, die präzise und koordinierte Bewegungen der Mundmuskulatur für das Sprechen zu planen und auszuführen. Das bedeutet, dass sie zwar wissen, was sie sagen möchten, jedoch Probleme haben, die richtigen Bewegungen für die Aussprache der Laute in der richtigen Reihenfolge und mit der richtigen Intensität auszuführen.
Kinder mit VED haben häufig eine unklare oder verwaschene Aussprache, sie verzerren Laute oder setzen diese unregelmäßig ein. Oft kann es auch zu Problemen bei der Lautbildung, der Silbenstruktur oder der Betonung kommen, was die Verständlichkeit der Sprache erschwert. In schweren Fällen kann es auch zu Wortfindungsstörungen kommen.
In der logopädischen Therapie liegt der Fokus auf der gezielten Förderung der Mundmotorik und der koordinierten Lautbildung. Dazu werden spezielle Übungen zur Lautbildung und zur Koordination der Sprechmuskulatur durchgeführt, um die Planung und Ausführung der Bewegungen zu verbessern. Die Kinder lernen, die Bewegungen für das Sprechen schrittweise und in korrekter Reihenfolge zu üben.
Ziel der Therapie ist es, die Aussprache und Sprechfähigkeit zu verbessern, sodass das Kind sich deutlicher und präzise ausdrücken kann und die motorischen Koordinationsfähigkeiten beim Sprechen gestärkt werden.
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Selektiver Mutismus beschreibt das Verhalten von Kindern, die in bestimmten Situationen, wie zum Beispiel in der Schule oder in Gegenwart von Fremden, nicht sprechen können, obwohl sie in vertrauten Umfeldern, wie zu Hause, oftmals bereits sprechen. Häufig wird dieses Schweigen nicht durch mangelnde Sprachfähigkeit verursacht, sondern durch eine hohe Unsicherheit oder Angst in sozialen Interaktionen.
Symptome:
Das Kind kann in bestimmten sozialen Situationen noch nicht sprechen, ist aber in anderen, vertrauten Kontexten gesprächig.
Das Schweigen entsteht nicht absichtlich, sondern als Reaktion auf die Situation oder das Umfeld.
In der logopädischen Therapie liegt der Fokus auf der schrittweisen Überwindung der Ängste in Bezug auf das Sprechen in bestimmten Kontexten. Dazu gehört das langsame Erhöhen von Kommunikationssituationen, in denen das Kind sich sicher fühlt. Ein wichtiger Bestandteil ist auch der Austausch mit den Angehörigen und pädagogischem Fachpersonal, um das Kind gemeinsam zu unterstützen und die verschiedenen Umgebungen, in denen es schon sprechen kann, zu fördern.
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Rhinophonie bezeichnet eine veränderte Stimme, die nasal oder „verstopft“ klingt. Dies kann durch verengte Nasenatmung, verstopfte Nase oder eine Fehlfunktion des Gaumensegels verursacht werden. Es gibt zwei Formen: offenes Näseln, bei dem die Nasengänge blockiert sind (z.B. durch eine Erkältung), und geschlossenes Näseln, bei dem das Gaumensegel nicht richtig schließt, sodass die Luft ungewollt durch die Nase entweicht.
In der logopädischen Therapie wird die Luftstromkontrolle durch gezielte Atem- und Stimmübungen gefördert. Ziel ist es, die Stimme zu normalisieren und die Sprechverständlichkeit zu verbessern.